Advent 2020

Liebe Freundinnen und Freunde der Kultur vor Ort,
hier finden Sie unsere musikalischen Beiträge zur Adventszeit 2020. Unter der Last der Corona-Pandemie  können leider immer noch keine Konzerte in der Kirche stattfinden, aber wir bringen Ihnen die Musik hier über das Internet nach Hause. Viel Freude beim Anhören und Ansehen.
Ihr Jan Kehrberger

24. Dezember 2020    Heiligabend:

GOTTES Rückkehr
In dieser prachtvollen Orgelmusik von J. S. Bach handelt es sich wohl um die Darstellung der Geburt des Heilandes – hier nicht unter erbärmlichen Umständen in Stall und Krippe, bei Ochs und Esel und so weiter, sondern als triumphalen Einzug des Schöpfers der Welt in sein Eigentum. Die spektakulären vier Akkorde gegen Ende sowohl des Präludiums als auch der Fuge könnten für die vier Evangelisten stehen, zugleich für die Cheruben, die viergesichtigen Engelswesen in der Tempelvision des Propheten Hesekiel (dort im 40. Kapitel). Die Weise, wie Hesekiel und seine Schüler das Ende der babylonischen Gefangenschaft kommen sahen, kann als Vorzeichen für die Erlösung der ganzen Schöpfung durch die Geburt des Retters Jesus Christus gelesen werden. Der Prophet sah JHWH nicht mehr als Stammesgott des Volkes Israel, sondern als Herrn der Welt. Das Kind in der Krippe (der Mann am Kreuz) entlässt die Engelswächter am Eingang des Paradieses ihrer Türsteherverpflichtungen. „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr“ – Bach zitiert unaufhörlich seine eigene Vertonung des himmlischen Lobgesanges bei den Hirten auf dem Felde.
Die schlecht versteckten Fehltritte in dieser Einspielung seien mir verziehen! Die Pandemie hat Nachbesserungen verhindert; wir hoffen, später eine bereinigte Fassung vorlegen zu können.

Frohe Weihnachten!

Johann Sebastian Bach  –  Präludium und Fuge C-Dur



Zum Vierten Advent spiele ich Ihnen zwei Stücke von Bach, die traditionellerweise zusammen gegeben werden, aber zu ganz unter-schiedlichen Zeiten komponiert wurden. Die Fantasie g-moll erinnert an das erste Choralvorspiel in der selben Tonart zu „Nun komm, der Heiden Heiland“, nur dass statt der dort stillen Ruhe hier hohe Dramatik herrscht. „Die ganze Schöpfung schreit nach Erlösung“ schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief (Kapitel 8).

In der  – viel später entstandenen – Fuge g-moll kommt trotz der Moll-Tonart Freude zum Ausdruck, eine Art Freudentanz. „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“ sagt uns Jesus im Lukas- Evangelium (Kapitel 21).


Zum 3. Advent hier ein weiteres Werk von Johann Sebastian Bach, eingespielt in der Thomaskirche Hausbruch.
Bei der Passacaglia wird eine Melodie ständig wiederholt, meistens im Bass, und von den anderen Stimmen immer wieder neu begleitet. Durch die andauernden Wiederholungen steigert sich die Energie wie vor einem Staudamm, wo sie dann kontrolliert weitergeleitet wird – wie hier in der abschließenden kraftvollen Fuge: Der Weg des Gottesvolkes durch die Finsternis zum Licht.


Zum 2. Advent hier  drei Bearbeitungen zu „Nun komm, der Heiden Heiland“; ich denke, diese insgesamt drei Stücke gehören zusammen (als Abbild der Dreifaltigkeit Gott Vater – Sohn – Heiliger Geist).

Bei dem ersten Stück handelt sich um den ersten der drei „Leipziger“ Orgelchoräle zum Adventslied „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Johann Sebastian Bach. Das Lied, basierend auf dem Hymnus „Veni redemptor gentium“* (verfasst im vierten Jahrhundert vom Kirchenvater Ambrosius von Mailand, welcher in der Westkirche das Prinzip des Wechselgesangs einführte), wird von Bach herrlich verziert. Ich vermute, Bach bezieht sich hierbei auf die Texte der ersten und vierten Strophe (sie laufen bei der Aufnahme im Fließtext mit).

Im Trio gibt es eine Art „Kampf“ zwischen den beiden Bass-Stimmen (linke Hand und Pedal), welche den Weg des Heilandes „hinunter in die Höll und wieder zu Gottes Stuhl“ nachzeichnen.

Das dritte Stück beschreibt in seiner Klangpracht die göttliche Herrlichkeit.

Secured By miniOrange