Was kann ich für die Rettung der Welt tun?

Ausschnitte einer Gesprächsrunde mit dem Seniorenkreis der Erlösergemeinde

Anfang des Jahres bat mich Pastor Krüger darum, in dem von ihm betreuten Seniorenkreis etwas zur Frage: „Was kann ich für die Rettung der Welt tun?“ zu sagen. Am 17.Juni trafen wir uns (8 Personen) daraufhin im Gemeindehaus.

Weshalb ist die Erde überhaupt in einem Zustand – dass man meint, sie retten zu müssen? In der Bibel findet man (1.Mose 1/28):

„Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: …füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet …. über alles Getier, das auf Erden kriecht“.

Der gegenwärtige Zustand der Erde kann nicht das Ergebnis einer Anweisung Gottes sein, das kann er so nicht gesagt haben. Eher handelt es sich um einen Irrtum der historischen Exegese. Heutige Bibelinterpreten übersetzen deshalb:

macht euch der Erde untertan“. Das entspricht den ökologischen Erkenntnissen, sich einzufügen in die irdischen (universellen) Kreislaufsysteme –  im Bewusstsein des Titels „Geliehen ist der Stern auf dem wir leben“, des EKD-Impulspapiers zur UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Das Papier beklagt( Zitat):

„…Armut und Hungersnot, himmelschreiende Ungleichheit, von Waffenexporten genährte Kriege, Müll im Meer, Säure im Regen, Nitrat im Boden, zu viel CO2 in der Luft“. Da die Menschen ihre Verantwortung für das „ Seufzen der Schöpfung“ (Röm 8,22) erkennen, halten die Autoren Umkehr und Neubeginn für möglich. Was wäre dazu notwendig?

Der Seniorenkreis diskutierte in diesem Zusammenhang das unterschiedliche Selbstverständnis des Menschen in folgendem Rahmen:

„…unser tägliches Brot gib uns heute….“ heißt es im Vaterunser. Damit dürften die notwendigen Dinge des täglichen Lebens gemeint sein. Heutige Ökonomen definieren das Modell des vollständigen Marktes, in dem Bürger stets an einem maximalen Nutzen interessiert sind, während Unternehmen das Ziel der Gewinnmaximierung verfolgen[1]. Passt das zusammen? Letzteres hat dazu beigetragen, dass die Gegenstände eines Haushalts seit 1900 von 200 auf ca. 10.000[2] angestiegen sind.

Soviel Du magst!? Nein, dieser „Wohlstand“ hat dazu geführt,

  • dass die Ressourcen der Erde in 2019 weltweit bereits Anfang August verbraucht sind. Man spricht vom Overshoot Day (in Deutschland bereits Anfang Mai). Den Rest des Jahres leben wir in Kenntnis der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen,
  • dass die menschlichen Aktivitäten die Hauptkräfte der Veränderung der Erdoberfläche darstellen. Geologen sprechen deshalb von dem Zeitalter des Anthropozän.

Zurück zu: „Was wäre notwendig? – Was kann ich tun?“ Da wären zunächst die materiellen Möglichkeiten des „Fegens vor der eigenen Haustür“ wie

weniger Autofahren, weniger Fliegen – weniger Fleisch – biologisch erzeugte Produkte – geringere Raumtemperaturen – möglichst plastikfrei…

Selbst eine erweiterte Liste würde nicht ausreichen, die Umkehr sicherzustellen. Uwe Schneidewind, u.a. Vorsitzender der Kammer für nachhaltige Entwicklung der EKD, sieht die Umkehr (wie die Mehrzahl der Wissenschaftler) als einen Prozess der Kunst des gesellschaftlichen Wandels[3]. Dabei gehören die Kirchen zu den Akteuren deren Mitglieder

  • sich als Mitgestalter*Innen von aus geistigen Quellen gespeisten Veränderungsprozessen begreifen,
  • lebenszerstörende Kräfte in Wirtschaft, Politik und anderen Institutionen (ggf. auch Kirche) benennen und sich Ihnen entgegenstellen,
  • eine Kultur des „Genug Habens“ unterstützen,
  • Durchbrechen des Zwanges zum Perfekten (westl. Gesellschaft),
  • Anderen zugestehen, was man selber für sich beansprucht,
  • Verwandeln der maßlosen Selbstüberschätzung in einen Dialog mit Geistigen Kräften (für Christen mit Gott). Das unterstützt die Hoffnung, dass ein Leben in Fülle innerhalb der materiellen Grenzen möglich ist.

Peter Vollmer 28.06.2019


[1] Vereinfachte Darstellung

[2] In Erinnerung eines Vortrages auf dem Kirchentag 2017

[3] Uwe Schneidewind, Die Große Transformation; Fischer Verlag